Geplante Entscheidung gefährdet Patienten
10. Juni 2009 | Von Martin Lange | Kategorie: Neuigkeiten, Sonderartikel
Weitere Einschränkungen in der Diabetestherapie vorgesehen.
Mit Unverständnis reagierte der Deutsche Diabetiker Bund auf die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Einleitung eines Stellungnahmeverfahrens zur Streichung der Erstattungspflicht langwirksamer Insulinanaloga bei Typ 2-Diabetikern. Der Bundesvorsitzende des DDB Dieter Möhler bedauerte: „Bei allen Entscheidungen des G-BA geht es offensichtlich nur noch ums Geld.“ Erstmalig werde jetzt ausschließlich aus Kostengründen verlangt, Patienten von einer erfolgreichen in eine fragliche Medikation umzustellen. Dabei werde eine Gefährdung der Patienten billigend in Kauf genommen.“
Alle begründeten Einwände gegen das Vorhaben, die langwirksamen Insulinanaloga und auch die Glitazone von der Liste der bezahlten Medikamente zu streichen, wurden ignoriert. Der Stellvertretende Bundesvorsitzende des DDB Prof. Hermann von Lilienfeld-Toal hält die Begründung für das Streichen der Insulinpräparate für falsch. Das angestrebte Behandlungsziel kann nach seiner Auffassung, mit Humaninsulin nicht ebenso zweckmäßig, aber kostengünstiger erreicht werden. Falsch sei auch die Begründung für das Streichen aller Glitazone.
Es zeigt sich, dass das gesamte Prüfungs- und Beschlussverfahren unehrlich ist. Mit scheinbar sachlichen Gründen werden vermeintlich zu teure Präparate vom Markt gedrängt. Dass die Patienten bei der Therapie ihrer Krankheit von diesen – bisher verordnungsfähigen – Medikamenten profitiert haben, interessiert nicht. Im Deutschen Diabetiker Bund zeigt sich Wut und Entsetzen über diese Entscheidung, die sich gegen die Interessen von Millionen Diabetiker in Deutschland richtet.
Auch die Festsetzungen zu den langwirksamen Insulinanaloga machen offensichtlich, dass die im Sozialgesetzbuch (SGB) V festgeschriebene Konstruktion des Gemeinsamen Bundesausschuss als entscheidendes Gremium, das sich auf die Begutachtung durch das IQWiG stützt, eine Fehlkonstruktion ist. Wenn Medikamente zu teuer erscheinen, kann das nicht dadurch beseitigt werden, dass den Medikamenten ihre Wirksamkeit abgesprochen wird, sondern dadurch, dass mit den Herstellen über den Preis verhandelt wird.
Der Deutsche Diabetiker Bund fordert alle Betroffenen auf, sich an Protestaktionen zu beteiligen.
Kassel, 05.06.2009
Deutscher Diabetiker Bund e. V.
Goethestr. 27
34119 Kassel