Deutscher Diabetiker Bund Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

Pizza und Schokolade erlaubt

10. Januar 2010 | Von Andrea Witt | Kategorie: Eutin, Kinder und Jugend, Sonderartikel
Diabetes-Schulung Sana-Klinik in Eutin

Kindergruppe: Holsteiner Zuckerschnuten

Ständiges Spritzen und niemals Süßigkeiten essen dürfen – dieses Bild von Diabetes, auch Zuckerkrankheit genannt, gehört der Vergangenheit an. Zumindest für die “Holsteiner Zuckerschnuten”: In einer zweitägigen Schulung haben zwölf Kinder viel in der Sana-Klinik Eutin über ihre Erkrankung gelernt. Und Schoko-Weihnachtsmänner und Pizza gegessen. Denn Naschen ist auch bei Kindern mit Insulinmangel erlaubt: “Sie sollen sich möglichst wie normale Kinder ernähren”, erklärt Dr. Stefan Nissen, Facharzt für Kinder und Jugendmedizin.

Dafür benötigen die “Zuckerschnuten” einen ständigen Begleiter: eine Insulinpumpe. Der programmiebare kleine Kasten ist einer Bauchtasche immer dabei, durch einen Katheter ist er mit dem Körper verbunden und pumpt Insulin in das Blut.

Diese Geräte seien besonders für Kinder besser als eine Infusion durch Spritzen oder “Insulin-Pens”, verdeutlicht Dr. Nissen. Die Pumpen haben ihren Preis: 4000 Euro kostet ein Gerät. Dazu kommen die Katheter, die alle zwei bis drei Tage gewechselt werden müssen. Die Gesamtkosten werden von der Krankenkasse übernommen.

Die Vorteile der teuren Technik: Die Pumpen werden individuell auf die Kinder eingestellt. Dennoch arbeiten sie nicht ganz alleine, der Blutzucker muss mehrmals täglich kontrolliert werden. Das können die “Zuckerschnuten” jetzt weitgehend selbst. Auch haben sie sich intensiv mit ihrer Ernährung beschäftigt. Wieviel Käse dürfen Diabetiker essen? So viel sie wollen. Käse enthält nämlich keine Kohlenhydrate.

Bei Brot, Nudeln oder Weintrauben sieht das allerdings anders aus. Berechnungseinheiten, Überzuckerung, Unterzuckerung – diese Begriffe sind für die Kinder keine Fremdwörter, sondern sie wissen, was dahinter steckt.

Experten für Diabetes bei Kindern: Andrea Witt und Dr. Stefan Nissen

Normalität und Selbstständigkeit im Umgang mit der Krankheit erreichen – das sei das vorrangige Ziel der Schulung, betont Diabetes-Beraterin Andrea Witt, die gemeinsam mit Dr. Nissen die stationäre Schulung geleitet hat.

“Noch vor 100 Jahren sind Kinder an dieser Erkrankung gestorben”, erklärt Dr. Nissen – erst ab 1919 sei Insulin verabreicht worden. Seitdem ist viel geschehen in der Geschichte der Diabetes und der Behandlung: “Das muss auch für Kinder keine unangenehme Erkrankung sein. ”

Anzeichen für eine mögliche Diabetes-Erkrankung bei Kindern sind übermäßiger Durst und Wasserlassen in Kombination mit Gewichtsverlust. In der Sana-Klinik Eutin behandelt werden 45 Patienten von 3 bis 21 Jahre. Für Eltern und Kinder gibt es regelmäßige Schulungen.

“Die Kinder sollten alle zwei Jahre altersgerecht nachgeschult werden”, sagt Dr. Nissen. Einige der “Zuckerschnuten” sind zum ersten Mal dabei, andere bereits zum vierten Mal. “Die Kinder lernen sich kennen und tauschen sich aus. Die Atmosphäre in der kleinen Gruppe ist sehr familiär”, lobt Andrea Witt.

(Dorthe Arendt, OSTHOLSTEINER ANZEIGER)

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